Camper infiziert sich mit der Pest in Kalifornien

Bei der Pest denken die meisten Menschen an dunkle, aber längst vergangene Zeiten. Doch die Seuche des Mittelalters gibt es immer noch - auch in den USA. Eine Person infiziert sich dort auf einem Campingausflug. Könnte das auch in Deutschland passieren?

Ein seltener, aber alarmierender Fall sorgt in Kalifornien für Aufsehen: Eine Person ist in der Region Lake Tahoe positiv auf die Pest getestet worden. Laut der Gesundheitsbehörden von El Dorado County hat sie sich wahrscheinlich beim Camping durch den Stich eines infizierten Flohs angesteckt. Der Patient werde zu Hause behandelt und erhole sich derzeit unter medizinischer Betreuung, heißt es weiter.

Zwar weckt die Pest Erinnerungen an die verheerenden Epidemien des Mittelalters. Die Gefahr, dass der Schwarze Tod zurückkehren könnte, besteht allerdings nicht - auch wenn die Krankheit global nie ganz verschwunden ist. Denn das Bakterium Yersinia pestis, das die Pest auslöst, ist bis heute in vielen Teilen der Welt heimisch - auch in den USA. Besonders im Westen des Landes kommt es immer wieder zu Einzelfällen. Laut der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) werden jährlich im Schnitt etwa sieben Pestinfektionen bei Menschen gemeldet.

Vorsicht vor Flöhen

Eine Ansteckung erfolgt fast immer über den Umweg von wilden Nagetieren und deren Flöhen. Das Bakterium Yersinia pestis zirkuliert etwa in den Populationen von Präriehunden, Streifenhörnchen oder Ratten. Wird ein Mensch von einem infizierten Floh gestochen, kann das Bakterium übertragen werden. Auch Haustiere wie Katzen oder Hunde spielen eine Rolle, wenn sie befallene Nagetiere erbeuten und den Erreger so an den Menschen weitergeben.

Nach einer Infektion treten die ersten Beschwerden meist innerhalb von ein bis sieben Tagen auf. Typisch ist die sogenannte Beulenpest, bei der Betroffene plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost und starke Schwäche entwickeln. Hinzu kommen schmerzhafte, geschwollene Lymphknoten in der Leiste, den Achselhöhlen oder am Hals. Gelangen die Erreger in den Blutkreislauf, kann sich daraus eine lebensbedrohliche Blutvergiftung entwickeln, die mit Schock, inneren Blutungen und dunklen Hautverfärbungen einhergeht.

Besonders gefürchtet ist die Lungenpest, die entweder aus einer Beulenpest hervorgeht oder direkt über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird: Sie verursacht schweren Husten, Brustschmerzen und blutigen Auswurf und kann unbehandelt innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen. Zwar ist die Krankheit heute mit modernen Antibiotika gut behandelbar, doch bleibt eine schnelle Diagnose entscheidend.

Bakterium in Europa ausgestorben

Im Gegensatz zu den USA ist eine Pestinfektion in Deutschland praktisch ausgeschlossen, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Sowohl in Deutschland als auch in anderen Teilen Europas ist das Bakterium in Wildtierpopulationen ausgestorben. Auch das Risiko, dass Reisende den Erreger einschleppen könnten, schätzt das RKI aufgrund der kurzen Inkubationszeit als gering ein.

Die Pest tritt in kleinen Endemiegebieten in Afrika, Asien und Amerika auf. Besonders betroffen sind Madagaskar, die Demokratische Republik Kongo und Peru. Die USA sind das einzige Land außerhalb der Subtropen und Tropen, in dem die Pest vorkommt. Weltweit registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 1000 bis 3000 Pestfälle pro Jahr, meistens in Form kleinerer, örtlich begrenzter Epidemien. In Europa gab es den letzten dokumentierten Pestausbruch im Zweiten Weltkrieg.